Norbert Scheuer: Winterbienen


Januar 1944, Eifel. Während die alliierten Bomber über Deutschland kreisen und sich sämtliche wehrtaugliche Männer an der Front befinden, kämpft der Bienenzüchter Egidius Arimond an anderen Fronten. Wegen seiner Epilepsie ausgemustert, läuft er jeden Tag Gefahr, als Volksschädling deportiert zu werden. Lediglich sein Bruder, der dem Reich als Kampflieger dient, sichert sein Überleben. Und das ist gefährlich, denn in präparierten Bienenstöcken schmuggelt er Juden über die Grenze.

Das Grundthema des Buches hat mir wirklich gefallen, die Stimmung des letzten Kriegsjahres mit der immer größer werdenden Bedrohung durch die Luftangriffe der Alliierten, verbunden mit der Hoffnung auf Befreiung, war sehr gut eingefangen. Man erfährt viel über die Nöte des Alltags im Krieg und um den Umgang mit dem Bedürfnis nach Liebe und Geborgenheit in diesen Zeiten.
Leider fand ich die schriftstellerische Umsetzung nicht sehr gelungen, auf mich wirkte es über weite Strecken langatmig und in den raumgreifenden Schilderung über die Bienenzucht ermüdend. Die seitenlangen Ausführungen über das Imkerhandwerk mögen zwar an anderer Stelle interessant sein, waren mir hier aber zuviel des Guten, denn sie haben real oder gefühlt mindestens die Hälfte des Buches ausgemacht. Wenig anfangen konnte ich auch mit den lateinischen Übersetzungsarbeiten des Protagonisten zu einem frühen Verwandten, der im Kloster gelebt und die Tradition des Bienenzüchtens in die Familie gebracht hat. Hat für mich den Erzählfluss zusätzlich gestört.

Bewertung: 3 von 5.

Norbert Scheuer: Winterbienen. München: C.H. Beck Verlag, 2019

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