Wolfgang Borchert: Draußen vor der Tür

Dieses Dramen ist vielleicht nicht ganz so bekannt, da der Autor bereits 1947 mit nur 26 Jahren verstorben ist, zerbrochen am Krieg und seinen Folgen. Allein zwei Jahre blieben ihm, um sich seine Verzweiflung von der Seele zu schreiben und das Ergebnis ist hier zu lesen, Remarque in dramatischer Form…

Nach sieben Jahren Krieg und sibirischer Gefangenschaft kehrt Beckmann nach Hause zurück, mit steifem Bein und gezeichnet von den Schrecken des Krieges. Doch das Zuhause, von dem er im Schützengraben geträumt hat, gibt es nicht mehr. Seine Frau teilt ihr Bett inzwischen mit einem anderen, seine Eltern sind gestorben und in seinem Elternhaus wohnt eine fremde Familie. Wohin er sich auch wendet, stößt er auf Unverständnis und Abwehr. Der Krieg ist für die Menschen ein längst abgeschlossenes Kapitel, eine unbequeme Wahrheit, mir der man möglichst wenig zu tun haben möchte. Und Beckmann steht draußen, draußen vor der Tür.

Allein der Titel des Dramas steckt schon so voller Aussage über das Leid der Kriegsheimkehrer, die für eine Ideologie und ein Land in den Krieg gezogen sind, das hinterher nichts mehr von ihnen wissen wollte und sie allein gelassen hat mit ihrer Schuld, ihrer Enttäuschung und dem Grauen in ihren Köpfen.
Hier schreibt jemand, der sich nicht erst im stillen Kämmerlein eine Geschichte ausdenken muss, weil er Schriftsteller werden will, sondern der schreibt, weil die Geschichten aus ihm herausschreien und der aus dem tiefsten Grunde seines Herzens etwas mitzuteilen hat. Weil es seine eigene Geschichte ist und die erschüttert bis ins Mark, denn die Verzweiflung steckt hier in jedem einzelnen Wort.
Dieses Drama gehört für mich zu den besten, die je geschrieben wurden. Emotionaler, authentischer und eindringlicher geht es kaum.
Ein Meisterwerk der dramatischen Literatur.

Bewertung: 4.5 von 5.

Wolfgang Borchert: Draußen vor der Tür. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 1986 (Original 1947)

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