Albert Camus: Die Pest

Aus aktuellem Anlass hat dieser 1947 erschienene Roman seinen zweiten Frühling, wen wundert’s. Aber Corona muss ja auch mal zu irgendwas gut sein…
Für mich war das ein Anlass zu einem #reread, hatte ich den Roman doch zuletzt als Jugendliche gelesen…

Nach den Aufzeichnungen des Erzählers befinden wir uns im Jahre 194…in der Stadt Oran an der algerischen Küste, die durch beunruhigende Ereignisse heimgesucht wird. Tausende von Ratten verlassen die Kanalisation und verenden auf den Straßen der Stadt. Schon bald sterben die ersten Menschen an einem mysteriösen Fieber, das typische Zeichen einer totgeglaubten Krankheit trägt: der Pest. Während die Verantwortlichen in Regierung und Verwaltung zunächst die Augen vor der drohenden Gefahr verschließen, erkennt der Arzt Rieux den Ernst der Lage. Mit einer handvoll Helfern an seiner Seite bietet er der herannahenden Katastrophe die Stirn.

Vieles kommt einem sehr bekannt vor. Die anfängliche Ignoranz der Bevölkerung und der Verantwortlichen, weil nicht sein kann, was nicht sein darf. Dann der Umschwung, die Abriegelung der Stadt und die Einführung strenger Sicherheitsmaßnahmen. Und die verschiedenen Rollen in diesem Szenario: vom aufopferungsvollen Helfers bis zum selbstsüchtigen Profiteur ist auch hier alles dabei.
Das war schon sehr interessant zu verfolgen, wie man die damals beschriebenen Prozesse auch in der heutigen Zeit wiederfindet. Den besonderen Wert bekommt dieses Buch für mich aber weniger durch seinen Bezug zur derzeitigen Coronalage, als durch den historischen Kontext, in dem dieses Buch geschrieben wurde. Denn Camus war Mitglied der Résistance und verfasste dieses Buch während des zweiten Weltkriegs, in der von den Nazis besetzten Hauptstadt Paris. So ist dieses Buch in erster Linie eine Parabel über die braune Pest der Nationalsozialisten und ein Apell, sich seinem vermeintlichen Schicksal mit aller Macht entgegenzustellen.
Inhaltlich finde ich diesen Roman sehr lohnenswert. Mit dem distanzierten Schreibstil, der wohl der Chronistenperspektive geschuldet ist, hatte ich jedoch meine Probleme.

Bewertung: 3 von 5.

Albert Camus: Die Pest. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt Verlag, 2020 (Französisches Original 1947)

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