Niklas Natt och Dag: 1794

Nach dem Tod seines Ermittlerkollegen Winge und der erfolgreichen Aufklärung eines grausamen Mordfalls fällt Jean Michell Cardell in ein tiefes Loch. Als Kriegsversehrter ohne Job und Perspektive verfällt er immer mehr dem Alkohol. Doch dann steht plötzlich eine unbekannte Frau vor seiner Tür und bittet ihn um Hilfe, den Tod ihrer einzigen Tochter aufzuklären. Sie wurde in der Hochzeitsnacht zu Tode geprügelt. Verdächtigt wird der adlige Ehemann, der daraufhin in die Irrenanstalt eingeliefert wurde. Doch die Mutter glaubt nicht an diese Version der Geschichte. Cardell zweifelt, ohne seinen alten Freund die Kraft für einen weitere Ermittlung zu haben, doch dann taucht der Bruder des Verstorbenen auf…


Nach dem ersten Teil brauchte ich erstmal eine Pause, denn der war einigermaßen pervers. Die Illusion, dass es beim zweiten Teil anders sein könnte, hatte ich dank dezenter Hinweise aus der Bookstagramergemeinde gar nicht erst, also… kurze Verschnaufpause und Teil 2…

Im Vergleich zum ersten Teil fand ich dieses Buch deutlich besser. Es ist trotz des Umfangs durchweg spannend und hat nicht diese Längen, die Band 1 so zäh gemacht haben. Ich habe mich durchweg gut unterhalten und in die Zeit versetzt gefühlt. Die Konstruktion eines fiktiven Kriminalfalls auf gut recherchierter historischer Kulisse finde ich immer sehr reizvoll. Aber auch in Teil 2 waren für mich die detailiert beschriebenen grausamen Szenen etwas zuviel des Guten. Mag sein, dass man in diesem Zeitalter nicht gerade zimperlich war und einige Adlige aus Langeweile perverse Spielchen veranstaltet haben, aber möchte man das wirklich so genau wissen? Ich lese ja auch nicht über die Foltermethoden der alten Römer.
Besonders übel ist mir aufgestoßen, dass der Autor am Ende den einen oder anderen losen Faden hinterlässt, um es mal vorsichtig auszudrücken. Hat der Autor so wenig Vertrauen in seine Geschichte, dass er gleich mehrere Cliffhanger einbauen muss, um den Kauf von Teil 3 zu sichern?

Blöderweise funktioniert es auch noch, denn natürlich will ich jetzt wissen, wie es weitergeht. Zum Glück ist das kein Verdienst billiger Trickserei, sondern dass es dem Autor gelungen ist, eine gute Story und überzeugende Charaktere zu entwickeln, die den Leser an die Geschichte binden. Dass man das Schicksal der Protagonistin anteilnahmsvoll verfolgt, mitleidet und mitfiebert, kommt ja nicht von ungefähr, sondern ist ein schriftstellerischer Verdienst. Und das ist hier voll aufgegangen, die Story hat mich gekriegt. Also, mentales Kettenhemd an und warten auf Teil 3

Bewertung: 4 von 5.

Niklas Natt och Dag: 1794. München: Piper Verlag, 2020 (Schwedisches Original 2019)

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