Angie Kim: Miracle Creek

Die amerikanische Kleinstadt Miracle Creek ist der Schauplatz eines tragischen Unglücks: bei dem Brand einer Scheune, die zu Therapiezwecken genutzt wird, sterben zwei Menschen – eine Mutter von fünf Kindern und ein autistischer Junge. Sofort ist klar, dass es sich um Brandstiftung handelt. Hauptverdächtige: die Mutter des toten Jungen, die sich schon bald in einem Gerichtsprozess für diese Tat verantworten muss. Doch im Laufe der Verhandlung stellen sich Zweifel ein, denn offenbar hat in dieser kleinen Stadt jeder etwas zu verbergen…

Dieses Buch zentriert sich um den Gerichtsprozess, was insofern nicht verwundert, da die Autorin selbst als Anwältin gearbeitet hat. Sie weiß also, wovon sie da schreibt und das macht das Buch sehr authentisch. Ergänzt werden die Gerichtspassagen durch Rückblenden und Erinnerungen der einzelnen Protagonisten, so dass mit der Zeit ein immer klareres Bild der wirklichen Ereignisse entsteht. Man wir als Leser zum Geschworenen im Gerichtssaal, für den sich nach und nach die Wahrheit rekonstruiert. Gleichzeitig ist man ihnen durch die verschiedenen Rückblenden immer einen Schritt voraus. Da immer wieder neue Informationen hinzukommen, ist die Spannung auf einem konstant hohen Niveau, ohne dass die Autorin zusätzliche Actioneffekte bemühen muss. Es ist eine rein erzählerische Spannung und das hat mir ausgesprochen gut gefallen. Hinzu kommt, dass ich eine kleine Schwäche für Gerichtsromane und auch Filme habe. Von daher hab ich das Buch sehr gerne gelesen.
Gut gefallen hat mir auch, dass hier auch auf sehr differenzierte Art ein Thema aufgegriffen wird, dass man bei einem Kriminalroman vielleicht gar nicht erwartet: die Belastung, die Eltern mit einem behinderten Kind haben und die unterschiedlichen Wege, damit umzugehen.
Allerdings lässt das Buch am Ende an Dynamik etwas nach, da gibt es einige Längen. Gerade bei der Auflösung wird einiges unnötig lange ausgeführt, das hätte man vielleicht geschickter umsetzen können. Die Auflösung war zwar plausibel, aber nicht ganz nach meinem Geschmack. Die Autorin zeigt sich dort sehr ihrem alten Beruf verpflichtet, Recht und Ordnung steht hier an oberster Stelle. Das war mir an dieser Stelle doch zu moralisierend, obwohl ich die Einstellung durchaus nachvollziehen kann.
Trotzdem dieser kleinen Kritikpunkte kann ich für dieses Buch eine eindeutige Leseempfehlung aussprechen.

Bewertung: 4 von 5.

Angie Kim: Miracle Creek. München: Carl Hanser Verlag / hanserblau, 2020

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