Claudia Giesdorf: Das Licht am Ende

„Ich habe keine Angst vor Geistern, ich fürchte die Lebenden.“


Die Furcht vor ihrem gewalttätigen Exfreund treibt Helena in die selbstgewählte Isolation. Sie zieht in eine kleine Hütte auf einer abgelegene Lichtung im Wald, jenseits des Dorfes. Ihre einzigen Nachbarn sind die zurückgezogene Näherin Anuk und Salim, ein Sommergast. Wie Helena versuchen beide in der Abgeschiedenheit, traumatische Schicksalsschläge zu verarbeiten.
Doch die Naturidylle bekommt schon bald Risse. Verschwunde Gegenstände und Einbruchsspuren legen den Verdacht nah, dass Helena ihrem Peiniger nicht dauerhaft entkommen konnte. Und vor allem nicht den Geistern der Vergangenheit…

Dieses Buch ist als Psychothriller gekennzeichnet und das ist in diesem Fall wirklich mal passend, denn die Psyche der Protagonistin spielt die Hauptrolle in diesem Buch. Ihr Ziel ist es, sich von äußeren und inneren Zwängen zu befreien und der Leser begleitet sie auf diesem Weg. Das fand ich auch das besondere an diesem Thriller, dass er nicht an der Oberfläche bleibt, sondern tief in die Gedanken- und Gefühlswelt der Hauptperson eindringt. Hat mir gut gefallen. Ebenso wie die Atmosphäre der sich langsam entwickelnden Bedrohung, die über die kleine Gemeinschaft auf der Waldlichtung hereinbricht. Gerade in diesem Setting sind plötzlich verschwundene Gegenstände und unerklärliche Spuren schon sehr unheimlich.
Trotzdem konnte mich das Buch nicht komplett in seinen Bann schlagen. Ich fand es sowohl inhaltlich als auch sprachlich an einigen Stellen eine Spur zu dick aufgetragen. Normalerweise mag ich emotionale Darstellungen und die sind hier auch grundlegend für die Geschichte, aber sprachlich war mir das zu überdramatisiert und überladen. Da wäre weniger mehr gewesen. Dafür war dann der eigentlich Showdown sehr kurz und unemotional, was im Verhältnis nicht passend war und quasi verpuffte. Dieses Zuviel an Drama im Vorfeld hat mich letztlich daran gehindert, ganz in die Geschichte einzutauchen, so dass ich eher ein distanzierter Beobachter geblieben bin.
Die Wendung am Schluss hat mir wieder gut gefallen, das hatte nochmal so einen Knalleffekt, der der Geschichte gut getan hat.

Bewertung: 3 von 5.

Claudia Giesdorf: Das Licht am Ende. Selbstverlag, 2020

Schreiben Sie einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Wechseln )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Wechseln )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Wechseln )

Verbinde mit %s