Gabriel García Marquez: Hundert Jahre Einsamkeit

Das ist die Geschichte des fiktiven Dorfes Macondo und der Familie, die es einst gegründet hat: den Buendías. Wir begleiten diese Familie über viele Generationen hinweg. Die reale Vorlage dieser Familiengeschichte bilden die politischen Konflikte und der Bürgerkrieg in Kolumbien Anfang des 20. Jahrhunderts. Der stetige Kampf zwischen Tradition und Moderne, zwischen Konservativen und Liberalen in diesem von Konflikten erschütterten Land. Der Autor hat diesen auf überzeugende Art in eine Form gegossen in diesem Familienepos, der durch die Urmutter Ursula zusammengehalten wird. Die männlichen Familienmitglieder schlagen die unterschiedlichsten Wege ein, sind jedoch durch ein Wesensmerkmal miteinander verbunden: ihren leicht melancholischen Hang zur Einsamkeit.

Bei manchen Büchern fragt man sich, warum sie so lange ungelesen im Regal gestanden haben. Dies ist auf jeden Fall eins davon und ich bin froh, es endlich gelesen zu haben. Ein ganz wunderbar erzählter Roman von großer Anschaulichkeit, der einem die Figuren so ans Herz wachsen lässt, dass man richtig traurig ist, wenn sie schließlich den Weg alles Irdischen gehen. Ich mochte vor allem Márquez Erzählweise und seine feine Ironie, die sich trotz vieler durchaus ernster Momente durch die Geschichte zieht.
Sehr interessant dargestellt fand ich den Umgang mit der Macht, die unter verschiedenen politischen Vorzeichen ähnliche fatale Auswirkungen hat. Dass man die Grausamkeit und Willkür, die man zunächst verurteilt, schließlich selbst anwendet, ist ein immer wiederkehrendes historisches Phänomen. Márquez‘ Oberst Buendía ist dessen Verkörperung und es ist sein schriftstellerischer Verdienst, Geschichte in diese literarische Form gekleidet zu haben.

Einziger wirklicher Kritikpunkt ist die völlig verwirrende Namensgebung: Sämtliche männliche Familienmitglieder heißen Aureliano, Arcadio oder José in verschiedenen Kombinationen, so dass man eigentlich nur mit einem Stammbaum wirklich durchblickt. Das macht das Lesen manchmal mühsam und zäh, auch wie die eine oder andere Länge zwischendurch.

Trotzdem eine eindeutige Leseempfehlung für diesen Klassiker!

Bewertung: 4 von 5.

Gabriel García Márquez: Hundert Jahre Einsamkeit. München: dtv, 1984 (Original 1967)

2 Gedanken zu “Gabriel García Marquez: Hundert Jahre Einsamkeit

  1. Ich habe das Buch auch erstmals vor zwei Jahren gelesen und fand es großartig. Einzig die ewig gleichen Namen haben mir zu schaffen gemacht. Nach dem Lesen habe ich gesehen, dass es online Stammbäume gibt, die das Lesen ungemein erleichtern (aber leider auch ein wenig spoilern). Ende des Monats möchte ich das Buch noch einmal mit einer weiteren Bloggerin gemeinsam lesen und freue mich schon darauf, vielleicht Neues zu entdecken oder noch in Erinnerung Gebliebenes besser zu verstehen.

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