Inès Bayard: Scham

Als ich die Kekse auf dem Bild gebacken habe, war mir nicht bewusst, wie passend die Motive zu meinem aktuell beendeten Buch passen und zwar auf eine beklemmende Art und Weise, denn der Teddy und das Schaukelpferd führen zu dem Thema, um das es in diesem Buch unter anderem geht: die Beziehung zu einem Kind.
Das Marie sich so sehr von ihrem Mann wünscht. Doch dann wird sie Opfer einer Vergewaltigung. Völlig traumatisiert gelingt es ihr nicht, sich Hilfe zu holen und schweigt, auch als sich kurze Zeit später eine Schwangerschaft ankündigt. In der festen Überzeugung, das Kind des Vergewaltigers unter dem Herzen zu tragen, isoliert sich Marie zunehmend von ihrer Umgebung und richtet ihre unterdrückte Wut auf die Menschen an ihrer Seite und auf ihr Kind…

Als ich das Buch abends im Bett angefangen habe, war ich eigentlich schon totmüde und wollte nur noch ein paar Seiten lesen, doch gleich der Beginn trifft einen wie ein Hammerschlag, ich war sofort hellwach.
Auch der Rest des Buches ist wie ein ständiger Schlag in die Magengrube und war für mich stellenweise nur schwer auszuhalten. Denn hier geht es um Gewalt gegenüber einem Kind, das sich nicht wehren kann und das keine Schuld trifft.
Immer wieder möchte man der Protagonistin links und rechts eine scheuern, gäbe es da nicht dieses furchtbare Erlebnis, das die Ursache dieser Tragödie bildet.
Auch wenn ich mich an ihrer Stelle komplett anders verhalten hätte und stellenweise nur mit dem Kopf schütteln konnte, gibt es genau das immer wieder, auch wenn die Frauen dabei nicht bis zum Äußersten gehen, wie in diesem Roman.
Bücher wie dieses helfen nachzuvollziehen, wie Opfer zu Täter werden können. Sie helfen zu verstehen, ohne zu entschuldigen. Und sie zeigen, dass alles besser ist als zu schweigen.

Wahrlich keine leichte Kost zum Ende des Jahres, aber für mich ein absolutes Lesehighlight.

Bewertung: 4.5 von 5.

Inès Bayard: Scham. Wien: Paul Zsolnay Verlag, 2020

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