Elif Shafak: Ehre

Jamilla bleibt in ihrem kurdischen Heimatdorf zurück, während ihre Zwillingsschwester Pembe mit ihrem Mann und ihren Kindern nach London auswandert. Hier hofft sie, das aufregende Leben zu führen, das sie sich immer erträumt hat.
Doch der Enge ihrer kulturellen Wurzeln entkommt sie auch dort nicht…

Dieser Roman über einen Ehrenmord ist nicht ganz einfach zu verkraften, vor allem in dem Wissen, dass Ähnliches im realen Leben immer wieder passiert.
Das ist mein zweites Buch von Shafak und wie schon bei ‚Unerhörte Stimmen‘ bin ich begeistert von ihrer Art des Erzählens. Sie hat dabei so eine Leichtigkeit, mit der sie aber gleichzeitig tief in die Figuren und die Geschichte eintaucht. Das erzeugt beim Lesen eine Mühelosigkeit, mit der man durch die Seiten fliegt und dabei komplett in der Geschichte versinkt.

Was dieses Buch für mich so besonders macht, ist ihr umfassender und verstehender Blick auf die Dinge. Hier gibt es kein einfaches Schwarz-Weiß, kein einseitig feministischer Blickwinkel. Vielmehr hat Shafak sehr gekonnt herausgearbeitet, dass es in dieser Frage keine Gewinner, sondern nur Verlierer gibt.
Auch die Männer sind Opfer einer fundamentalisten Tradition, die eine Idee über das Glück des Einzelnen stellt. Und am Ende sogar über sein Leben.

Ein lesenswertes Buch!

Bewertung: 4 von 5.

Elif Shafak: Ehre. Berlin: Kein & Aber Verlag, 2015 (Engl. Original 2012)

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