Alfred Andersch: Sansibar oder der letzte Grund

Im Herbst 1937 treffen mehrere Menschen in der Ostseestadt Rerik aufeinander, um mit einem Schiff in das freie Schweden überzusetzen. Ihre Motive sind so unterschiedlich wie ihre Charaktere.

Da ist die Jüdin Judith, die vor den Nazis fliehen muss und dafür an den Kommunisten Gregor verwiesen wird. Er soll in einem Parteiauftrag nach Schweden übersetzen. Möglich machen soll es der Fischer Knudsen, dem letzten noch aktiven Kommunisten der Stadt, der aber zunehmend distanzierter dem sowjetischen System gegenübersteht und sich von der Parteiarbeit lösen will. Auch sein Schiffsjunge möchte weg von Rerik und vor allem von den Erwachsenen – ihm schwebt allerdings weniger Schweden als das ferne Sansibar und ein Leben als Huckleberry Finn vor.

Als quasi zusätzlicher Mann fungiert eine Skulptur aus Pastor Helanders Kirche, der ‚Betende Klosterschüler‘. Er soll in Schweden vor den Nazis in Sicherheit gebracht werden, um nicht als entartete Kunst vernichtet zu werden.

Dieser recht kurz gehaltene Roman über den Kampf nach Freiheit und inneren und äußeren Widerstand ist nicht umsonst als Schullektüre populär. Er fängt verschiedene Charaktere und Motive ein und bietet eine gute Vorlage, Bewegunggründe und Formen des Widerstands gegen den Nationalsozialismus zu analysieren. Darin liegt für mich auch der Wert dieses Romans. Er zeigt kleine Wege gegen das Regime auf, die zumindest in dieser Zeit noch begehbar waren. Das tragische an dieser Geschichte über die Freiheit ist, dass dem Schiffsjungen der titelgebende letzte Grund zur Flucht, nämlich die Flucht vor dem Naziterror, verborgen geblieben ist. Vermutlich wird er diese jugendliche Naivität mit dem Tod auf dem Schlachtfeld bezahlt haben.

Obwohl ich rein inhaltlich das Buch durchaus gelungen finde, hatte ich damit trotzdem meine Mühe. Ich finde es schriftstellerisch ziemlich fad und behäbig geschrieben. Trotz der interessanten Thematik konnte da bei mir der Funke nicht überspringen. Schade!

Bewertung: 3 von 5.

Alfred Andersch: Sansibar oder der letzte Grund. Zürich: Diogenes,1970

2 Gedanken zu “Alfred Andersch: Sansibar oder der letzte Grund

  1. Genauso ging es mir als ich das Buch damals in der Schule gelesen habe, konnte es nur nicht so gut in Worte kleiden, wie du das jetzt gemacht hast. Vielen Dank dafür! Vielleicht sollte ich es doch noch einmal lesen (nach über 30 Jahren …).
    Liebe Grüße
    Antje

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