Marc Raabe: Zimmer 19

Den Auftakt des Thrillers bildet ein Snuffvideo, der zum Entsetzen der Zuschauer auf der Eröffnungsfeier der Berlinale gezeigt wird. Das Opfer: die Tochter des Bürgermeisters. Im Zuge der Ermittlung dringen Tom und sein Team nicht nur weiter in die geheimen Verstrickungen des ersten Teils vor, sondern auch in Sitas dunkle Vergangenheit…

Also, Band 1 fand ich ja ganz spannend und atmosphärisch ansprechend, auch wenn es da schon einige Kritikpunkte gab. Das Verhältnis hat sich hier direkt umgedreht. Spannung und Atmosphäre habe ich hier komplett vermisst, dafür gab es jede Menge Stoff zum Augenrollen, der mich mal zu ganz grundsätzlichen Worten herausfordert.

Ich lese ja neben ernsthafter Literatur ganz gerne mal einen Thriller, um mein Hirn zu entspannen. Aber so ein bisschen Niveau sollte es schon haben.
Will heißen, dass man sich bei der Entwicklung der Geschichte und der Figuren schon Mühe geben sollte. Das braucht schon eine gewisse Tiefe und schriftstellerisches Handwerk, um einen guten Thriller zu schreiben. Ansonsten kommt das raus, was ich leider in letzter Zeit immer häufiger gelesen habe: Thriller Fastfood.
Alles schlittert an der Oberfläche lang, die Charaktere sind flach und weil dem ganzen die Substanz fehlt, wird ein Feuerwerk an überkonstruierten und unrealistischen Ereignissen und Plottwists abgeschossen, das den Leser nur noch abhängt. Vor allem in amerikanischen Thrillern füllt man dieses Story-Vakuum gerne mal mit völlig übertriebenen und sinnlosen Gewaltexzessen, als würde es die Geschichte besser machen, wenn auf jeder zweiten Seite jemand gefoltert und gevierteilt wird.
Für ein gutes Essen wählt man doch auch hochwertige Zutaten und nimmt sich viel Zeit für die Zubereitung. Warum nicht das Gleiche beim Schreiben von Büchern?

Was mir schon beim ersten Teil übel aufgestoßen ist, nämlich einige der offenen Fragen nicht aufzulösen, sondern in den nächsten Teil mitzunehmen, gibt es leider auch hier. Ich will ja nicht spoilern, aber wer darauf gehofft hat, dass sich die Rätsel hier lösen…nun ja…

Bewertung: 1.5 von 5.

Marc Raabe: Zimmer 19. Berlin: Ullstein Verlag, 2019

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