Judith Hermann: Daheim

Gestern wurde der Preis der Leipziger Buchmesse verliehen. Im Vorfeld hatte ich mir drei der sechs nominierten Titel gekauft, die mich näher interessiert haben. Der Siegertitel war nicht dabei. Dafür stelle ich euch heute eine Mitbewerberin vor…

In diesem Buch begleiten wir die Ich-Erzählerin auf ihren Schritten in ein neues Leben. Fernab des hektischen Stadtlebens sucht sie einen Neubeginn in einem kleinen Ort an der nordischen Küste und mietet sich ein kleines Haus. Sie kellnert in der Kneipe ihres Bruders und knüpft Kontakte zu den etwas eigenwilligen Dorfbewohner. Und blickt zurück auf ein halbes gelebtes Leben, auf glückliche, aber auch verpasste Augenblicke und Lebensentwürfe, die an der Realität scheitern.

Man ahnt, dieses Buch hat etwas Melancholisches. Spätestens, wenn die Erzählerin im Gespräch mit ihrer unternehmungslustigen Tochter resümiert: „Pläne machen, nicht daran denken, wie diese Pläne scheitern können, dass sie scheitern werden, fast alles im Leben scheitert…
Trotzdem hat mich das in keinster Weise runtergezogen, denn diese Rückschau, auch auf Momente des Scheiterns, ist kein depressives Gejammer, sondern hat etwas sehr Erwachsenes. Das hatte für mich so eine besonnene Abgeklärtheit, die man so vielleicht auf dem Sterbebett vermutet. Nur dass der Weg hier direkt weitergeht, in etwas ganz Neues.
Mir hat vor allem die innere Ruhe gefallen, die dieser Roman ausstrahlt. Das hat sich beim Lesen direkt übertragen und war für mich fast ein bisschen meditativ, hat aber auch viele Gedankenimpulse ausgelöst.
Nachdem mich Sommerhaus, später damals nicht nachhaltig begeistern konnte, gehen hier beide Daumen hoch.

Bewertung: 4 von 5.

Judith Hermann: Daheim. Frankfurt am Main: Fischer Verlag, 2021

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