Paul Auster: 4321

Auf 1258 Seiten breitet Auster das Leben des Archie Ferguson aus und bei so viel Text drängt sich der Gedanke auf, dass der aber ganz schön viel erlebt haben muss. Hat er auch, aber ganz anders, als man denkt. Denn die markanten Lebensabschnitt gibt es gleich viermal. Vier Varianten eines Lebens, wie es sich abgespielt haben könnte. Mit unterschiedlichen Lebenswegen der Eltern, finanziellen Bedingungen, schulischen und beruflichen Entscheidungen, sexuellen Orientierungen und Lebensgefährt:innen…

Die Anlage des Romans finde ich extrem reizvoll. Den Gedanken, wie das Leben verlaufen wäre, wenn die Familie einen anderen sozialen Hintergrund gehabt hätte, man andere Lebensentscheidungen getroffen hätte. Es spricht für die Originalität und auch den Mut des Autor, dieses Gedankenspiel in einem Buch aufzugreifen, denn das ist schon ein recht komplexes Vorhaben. Und das ist umso faszinierender, da der Autor jede Menge biografischer Details in Archies Lebensgeschichten verarbeitet hat.

Aber nicht nur inhaltlich hat dieser Roman einiges zu bieten, denn Auster ist nicht umsonst eine Ikone der amerikanischen Literatur. Er kann einfach wahnsinnig gut schreiben und Figuren zum Leben erwachen lassen.
Allerdings beginne ich an dieser Stelle mit der ersten Einschränkung: die Sätze waren an einigen Stellen eindeutig zu lang. Ich glaube, einer ging über zwei Seiten. Das ist mir dann doch zu viel des Guten und macht das Lesen unnötig anstrengend.

Größtes Manko an dem Buch war für mich, dass es zeitweise recht aufgebläht wirkte. Das liegt natürlich an der Mehrfachanlage der Geschichte, die in ihren einzelnen Faszetten zwar unterschiedlich ist, aber durchaus auch Gemeinsamkeiten hat. Das hat zeitweilig einen Murmeltier-Effekt. Dazu kommt, dass der Autor bei einigen Themen sehr ins Detail geht, wo es nicht unbedingt nötig wäre. Baseball und Co fand ich jetzt nur bedingt interessant. Das machte es mir bei dem Umfang des Buches manchmal schwer, am Ball zu bleiben.

Bewertung: 3.5 von 5.

Paul Auster: 4321. Hamburg: Rowohlt Verlag, 2017

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