Stephen King: Langoliers / Das geheime Fenster

In diesem Buch stecken gleich zwei Geschichten, die ziemlich unterschiedlich sind.
Bei Langoliers geht es um einen Linienflug, der durch einen Zeitriss ins Irreale verschwindet.
Das geheimen Fenster erzählt von einem Schriftsteller, der eines Tages von einem Fremden beschuldigt wird, seine Geschichte gestohlen habe. Der Mann lässt sich nicht abschütteln…

Ich muss sagen, dass Langoliers thematisch nicht so meins war, obwohl es gut geschrieben war und auch die unheimliche, mysteriöse Atmosphäre sehr gut rüberkam. Auch war das Ganze am Ende in sich ganz stimmig erklärt, aber mir doch zu abgedreht. Und die Beschreibung der Langoliers fand ich einigermaßen albern.
Dafür fand ich die zweite Geschichte umso besser, für mich eine der besten von Stephen King. Das Spiel mit Wahn und Wirklichkeit ist sehr gut gemacht, als Leser ist man ständig am Überlegen, was nun tatsächlich passiert und was nur in der Vorstellung des Protagonisten. Dadurch war es auf einem hohen Level durchgängig spannend und atmosphärisch sehr dicht, das Gefühl der Bedrohung kommt sehr gut rüber. Allein mit dem Ende bin ich nicht so ganz warm geworden, was aber vielleicht daran liegt, dass mir der Film noch sehr präsent war. Der hat ein anderes Ende und das finde ich deutlich besser.
Apropos Film, der ist einfach nur genial. Wer ihn nicht kennt, anschauen!

Bewertung: 3 von 5.

Stephen King: Langoliers. München: Heyne Verlag, 2004 (Amerikanisches Original 1990)

Vincent Kliesch / Sebastian Fitzek: Auris


Matthias Hegel arbeitet in Berlin als akustischer Profiler, denn er ist in der Lage, allein über die Analyse der Stimme detaillierte Aussagen über einen Täter zu machen. Eigentlich, denn gleich zu Beginn des Buches wird er wegen eines Mordes verhaftet, für den er sich selbst bezichtigt. Die Journalistin Jula Ansorge, selbst Opfer einer Gewalttat, glaubt nicht an seine Schuld und beginnt in der Sache zu recherchieren. Hegel versucht sie jedoch von diesem Vorhaben abzubringen und er ist nicht der Einzige. Schon bald befindet sich Jula in ernster Gefahr…

Fitzek im Gepäck lässt Großes hoffen, daher war ich vom Anfang schon einigermaßen ernüchtert, den ich ziemlich albern fand. Das machte das Auftreten der Hauptperson nicht wirklich besser, die es scheinbar eine gute Idee fand, sich nachts in kurzem Kleidchen in einer fremden Stadt auf einem Friedhof aufzuhalten, was selbst dann ziemlich blöd ist, wenn es sich um einen viel frequentierten Touristenfriedhof handelt.
Zwischendurch nahm die Geschichte dann an Fahrt auf und war über weite Strecken auch spannend, was mir doch noch Hoffnung auf einen guten Thriller gegeben hat. Aber…was Jula da zum Ende hin veranstaltet hat, das hatte schon Slapstickqualitäten und ich wusste nicht, ob ich jetzt lachen oder weinen soll. Auf jeden Fall mal beides nicht gut bei einem Thriller. Da ist jetzt nicht spoilern will, kann ich an der Stelle nicht weiter ins Detail gehen, aber das war für mich nicht mehr ernst zu nehmen.
Insgesamt fand ich das Ende gar nicht gelungen und obwohl man eigentlich den zweiten Teil lesen müsste, einfach um all die noch offenen Fragen zu klären, werden sie bei mir wahrscheinlich unbeantwortet bleiben.
Noch zum Abschluss ein Wort zu unserem akustischen Profiler, dem Namensgeber dieses Buches. Insgesamt ist mir seine eigentliche Tätigkeit, für die ja das Buch steht, viel zu kurz gekommen. Da es ja doch eine originelle Idee ist, hätte man seine besondere Eigenschaft mehr in Szene setzen können. So war zumindest die Leseerwartung.

Aber vielleicht kommt davon mehr im zweiten Teil, dann wäre es vielleicht doch noch was für mich…

Dass es letztendlich doch noch gute zwei Sterne geworden sind, hat das Buch dem wirklich spannenden Mittelteil zu verdanken.

Bewertung: 2.5 von 5.

Vincent Kliesch / Sebastian Fitzek: Auris. München: Doemer Knaur, 2019

Drei Bücher für die Insel

Auf Instagram wurde mir die Frage gestellt, welche drei Bücher ich mit auf eine einsame Insel nehmen würde. Eine schwierige Frage…


1) Ganz klar nehme ich meinen all time favourite Das Parfum mit. Ich hab es zwar schon mindestens fünfmal gelesen, aber ich kann es wahrscheinlich noch weitere fünfmal lesen und wenn man keine Lust mehr auf einsame Insel hat… ab ins Paris des 18. Jahrhunderts. Dieses Buch katapultiert mich regelmäßig in eine andere Welt.

2) Ähnlich klar für mich ist Das achte Leben und dass nicht nur, weil man mit über 1200 Seiten ordentlich was zu lesen hat. In diesem Buch stecken so viele Geschichten, so viele große Momente, das ich es immer wieder lesen könnte.

3) Das letzte Buch war wie gesagt eine schwere Geburt. Erst hatte ich an ES von Stephen King gedacht, auch ein dickes Buch mit vielen Erzählsträngen und wahnsinnig spannend. Ich habe mich dann aber für Sophies Welt entschieden, das wohl ältesteste Buch auf meinem SuB. Hier geht es um philosophische Fragen, ganz Grundsätzliches und wo hätte man mehr Zeit, um genau über diese Dinge nachzudenken, als auf einer einsamen Insel?
Wahrscheinlich habe ich es auch genau aus dem Grund noch nicht gelesen, mir fehlt die einsame Insel …

Sebastian Fitzek: Die Therapie

Josy, die Tochter des bekannten Psychiaters Viktor Larenz, verschwindet unter mysteriösen Umständen. Es gibt weder Zeugen noch Spuren, eine Leiche wurde nie gefunden. Als sich der trauernde Viktor vier Jahre später in sein Ferienhaus am Meer zurückzieht, wird er dort von einer geheimnisvollen Fremden aufgesucht. Sie scheint etwas über das Verschwinden des kleinen Mädchens zu wissen…

Eigentlich wollte ich in dieses Buch nur kurz reinlesen, weil ich an dem Tag eigentlich andere Pläne hatte. Ist gaaaanz schlecht bei diesem Buch….denn einmal angefangen, kann man nicht mehr aufhören.
Es ist unfassbar spannend und flüssig geschrieben, ich hab es förmlich eingeatmet und war entsprechend schnell durch – Tagesplanung ade…

Besonders gelungen und auch die Quelle der Spannung war für mich das Spiel mit Wahn und Wirklichkeit, bei dem man sich bis zum Schluss nicht sicher ist, wie das Ganze zusammenhängt. Die Auflösung fand ich stimmig und gut durchdacht, obwohl mir ein Detail am Ende nicht ganz so gefallen hat. Die Geschichte hätte auch ohne funktioniert und vielleicht sogar noch besser. Insgesamt aber ein sehr lesenswerter Thriller.

Bewertung: 4.5 von 5.

Sebastian Fitzek: Die Therapie. München: Knaur Taschenbuch, 2006

Mareike Fallwickl: Dunkelgrün, fast schwarz

Rafael und Moritz kennen sich seit Kindertagen, dann bricht plötzlich die elternlose Jo in diese Zweisamkeit ein und es entwickelt sich zwischen den inzwischen Jugendlichen eine fatale Dreiecksbeziehung. In deren Zentrum steht der charismatische Rafael, der hinter seinem einnehmenden Lächeln ein zerstörerisches Wesen verbirgt. Nach 16 Jahren treffen sie wieder aufeinander und mit ihnen die alte Erinnerungen und Verletzungen.

Bei manchen Büchern merkt man gleich auf den ersten Seiten, das wird mein Freund werden, weil sie einem sofort seltsam vertraut vorkommen. Nicht, weil man Ähnliches schon mal erlebt hätte, sondern weil es eine Übereinstimmung gibt in der Art zu denken und Gefühle zu beschreiben. Und genau so ging es mir mit diesem Roman.
Immer wieder bin ich auf Textstellen gestoßen, die mich innehalten ließen, weil sie so glasklar und zugleich einfühlsam das zugrundeliegende Gefühl getroffen haben. Hab mir direkt auch einige Passagen rausgeschrieben…
Auch stilistisch überzeugt das Buch durch verschiedene Erzählperspektiven und Zeitebenen, nach und nach entsteht für den Leser ein immer klareres Bild über die Struktur dieser fatalen Dreiecksbeziehung. Und der Hintergrund des Buchtitels ist natürlich sensationell gut.
Ein wenig hab ich mit dem Ende gehadert, aber trotz allem ein ganz wunderbares Buch.

Bewertung: 4.5 von 5.

Mareike Fallwickl: Dunkelgrün, fast schwarz. Frankfurt am Main: Frankfurter Verlagsanstalt, 2018

Jan Peter Bremer: Der junge Doktorand

Schon seit zwei Jahren wartet das Ehepaar Greilach in ihrer abgelegen Mühle auf die Ankunft des jungen Doktoranden, der dem alternden Maler zu neuem Ruhm verhelfen soll. Doch immer wieder wird der Besuch verschoben und die Erwartungen an den lang ersehnten Gast steigern sich ins Unermessliche. Als er dann endlich eintrifft, präsentiert er sich jedoch in einem gänzlich anderen Licht. „Was war denn das für ein Doktorand! Damit hatten sie einfach nicht rechnen können. Das ließ sich doch keinem erklären…“
Und auch der Doktorand hat nicht mit diesem Ehepaar gerechnet…

Wem bei der Kurzbeschreibung spontan Becketts Warten auf Godot in den Sinn kommt… nein, nicht wirklich, denn der Doktorand taucht schon zu Beginn des Buches auf. Und mit diesem Aufeinandertreffen entspinnt sich ein Feuerwerk an Situationskomik loriotschen Ausmaßes, das ich wirklich lustig fand. Diese Karikatur des oberflächlich-kleinbürgerlichen Lebens in all seiner Beschränktheit und das hilflose Agieren des einigermaßen verplanten Doktoranden war für mich ausgesprochen unterhaltsam, jedenfalls in der ersten Hälfte des Buches. Danach nutzt sich das Motiv etwas ab und der Autor verliert sich in der Person des Malers gelegentlich in Monolgen, was das Unterhaltungsbarometer etwas nach unten getrieben hat. Aber zum Glück ist das Buch recht schmal und ist dann auch zu Ende, bevor sich das zu einem echten Problem auswächst.

Bewertung: 4 von 5.

Jan Peter Bremer: Der junge Doktorand. Berlin: Berlin Verlag, 2019

Klassiker des Monats

Heute kommt der erste Beitrag zur Rubrik Klassiker des Monats

Das sind nicht immer aktuell gelesene Bücher, denn zur Zeit lese ich eher weniger Klassiker, obwohl ich mir da für die Zukunft auch wieder mehr vorgenommen habe…

Aber während der Schule und des Studiums habe ich reichlich Klassiker gelesen, manchmal auch lesen müssen. Nicht alles war gut, aber es waren auch einige wirkliche Schätze dabei. So wie dieser:

Max Frisch: Biedermann und die Brandstifter

Und diese Schätze werde ich immer dann ausgraben, wenn ich gerade keinen aktuell gelesenen Klassiker anzubieten habe. Aber natürlich werde ich auch von den anderen berichten, nach und nach..

Jessica Fellows: Die Schwestern von Mitford Manor – Unter Verdacht

London 1920: Für die 19jährige Louisa geht ein Traum in Erfüllung, als sie eine Stelle als Kindermädchen bei der glamourösen Familie Mitford erhält. Schnell freundet sie sich mit Nancy, der ältesten Tochter des Hauses, an. Als eine gute Freundin der Familie am helllichten Tag ermordet wird, beginnen die beiden eigene Ermittlungen anzustellen. Auch Louisa gerät unter Verdacht…

Es handelt sich hier um den ersten Teil einer Serie rund um die exzentrischen Mitford-Schwestern, die es tatsächlich gegeben hat und die in den Jahren zwischen den Weltkriegen für jede Menge Schlagzeilen und Skandalen in der Londoner Upperclass gesorgt haben. Ihr Vater Lord Rednesdale klagte über seine insgesamt sechs Töchter, es wäre eine verrückter als die andere. Ihr tabuloser High-Society Lifestyle und ihre politischen Extravaganzen beschäftigten ganz Großbritannien, also der ideale Stoff für jede Menge spannender Geschichten. Aber all das wusste ich noch nicht, bevor ich dieses Buch in die Hand genommen habe.

Warum habe ich nun zu diesem Buch gegriffen? Um ganz ehrlich zu sein, hat mich zunächst vor allem das Cover angesprochen, denn es hat mich auf sehr angenehme Art an Agatha Christie erinnert und ich liebe ihre Krimis. Vom Stil und den Schauplätzen erinnert tatsächlich vieles an Christie, gemischt mit ein wenig Jane Austen, denn schließlich bewegen wir uns hier in einem hochherrschaftlichen Haushalt. Sowas muss man natürlich mögen, aber es ist fernab von der Sorte Kitsch, den man jetzt möglicherweise vermutet. Natürlich ist es vom Stil einigermaßen old-school, aber gerade das macht für mich den Reiz aus. Das ist wie bei Großmutter im Lehnstuhl, einfach sehr gemütlich. Das macht Spaß zu lesen und ist die perfekte Lektüre, wenn man mal was Einfaches und Unaufgeregtes zur Entspannung lesen will.
Für die fünf Sterne war es mir vom Spannungsfaktor dann doch etwas zu wenig, aber lesenswert ist das Buch in jedem Fall.

Bewertung: 4 von 5.

Jessica Fellows: Die Schwestern von Mitford Manor – Unter Verdacht. München: Pendo Verlag / Piper Verlag, 2018 (Englisches Original: 2019)

Karen Köhler am 11.10.19 in der Volksbühne Berlin

Ein ganz wunderbarer Abend zu einem wunderbaren Buch.
So würde ich in Kürze den gestrigen Abend in der Volksbühne zusammenfassen, der Berlinpremiere von Karen Köhlers neuem Roman Miroloi.
Mit gelungenen Fragen durch den Abend geführt von Maria Christina Piwowarski hat die Autorin einen kleinen Einblick gegeben in dieses ganz großartige Werk.

Viel hat man erfahren über diesen Roman, ohne zu viel zu verraten. Man hatte am Ende ein rundes Bild, ob man den Roman nun schon gelesen hatte oder nicht. Als Kenner des Romans fühlte man die wichtigsten Aspekte gut und spoilerfrei zusammengefasst und die andere Gruppe hat hoffentlich richtig Leselust bekommen. Ich hatte aber den Eindruck, der Verkauf am Büchertisch lief gut…

Nebenbei hat man noch eine Menge erfahren über den Entstehungsprozess des Romans, ein bisschen Autorenleben-Talk, was ich besonders interessant fand.

Und natürlich wurde vorgelesen und das war ein ganz besonderes Leseerlebnis.
Geht und hört! Und vor allem, lest!

Die Zeit – Literaturtipps

Wer liest, friert nicht…genau die richtige Ansage für Fostbeulen wie mich. Die ZEIT präsentiert uns in ihrer neusten Ausgabe die spannendsten Bücher im Herbst und Winter 📚

Mit dabei sind einige Nominierte der Shortlist, aber auch Longlist- Vertreterinnen wie Nora Bossong und Karen Köhler.
Auf meiner Leseliste vermerkt habe ich Die Zeuginnen von Margaret Atwood, die Fortsetzung von Report der Magd und Elena Ferrante: Tage des Verlassenwerdens.
Besonders interessant fand ich die Rezension zu Jan Peter Bremers: Der junge Doktorand, eine moderne Version von Samuel Becketts ‚Warten auf Godot‘.
Ansonsten gibt es interessante Literaturtipps in der Kategorie Sachbücher, zum Gastland Norwegen und lesenswerte Interviews, unter anderem mit Siri Hustvedt.

Wer diese Zeit-Literaturbeilage lesen möchte, sollte sich ranhalten. Morgen erscheint schon die neue Ausgabe 📯