Dave Eggers: Every

Es ist die Fortsetzung des Circle, in dem sich der Anbieter der größten Suchmaschine der Welt mit dem erfolgreichsten Onlineanbieter zusammengetan und ein System absoluter sozialer Kontrolle entwickelt hat. Die neue Mitarbeiterin Delany ist angetreten, das System von innen zu zerschlagen…

Klingt gut und ist es auch im ersten Drittel. Man begleitet Delany auf ihrem Weg in das Imperium, ist mit ihr entsetzt und lernt ihre Sabotagepläne kennen. Wir haben viel diskutiert in diesem ersten Teil über die Parallelen zur Realität und dem eigenen Umgang mit Social Media und das hat wieder mal zum Nachdenken angeregt. Das hat mir sehr gut gefallen und entsprechend motiviert war ich, das Buch weiterzulesen.

Aaaaber… und jetzt komme ich leider nicht ohne Spoiler aus, also ggf hier erstmal abbrechen… wer nun ein Feuerwerk des Widerstands à la Tribute von Panem erwartet (so wie ich zum Beispiel), der wird schwer enttäuscht. Delany und ihr Kampfgefährte verlegen sich darauf, Ideen für Apps zu entwickeln, die die Verletzung der Persönlichkeitsrechte und die soziale Kontrolle auf die Spitze treiben – in der Hoffnung, dass die Menschheit rebelliert und Every entmachtet wird. Blöderweise finden die Leute ihre Ideen ziemlich gut und die beiden schustern munter an der Perfektionierung eines Systems, das sie eigentlich bekämpfen wollten.
Nun kann sich ja jeder mal verkalkulieren und dann muss Plan B her. Selbst höher entwickelte Tiere ändern nach wiederholten erfolglosen Versuchen ihre Strategie.

Nicht aber Delany und ihr Kampfgenosse, die entwickeln auch noch die zwanzigste App… wie dumm kann man sein… Da kann dann auch das etwas aktionreichere und überraschende Ende nichts mehr ausrichten. Leider, leider wurde hier ganz viel Potential zu einer wirklich guten Fortsetzung verschenkt. Stattdessen gab es die Appentwickler-Variante von ‚Täglich grüßt das Murmeltier‘. Für mich leider enttäuschend, nachdem mich der Circle so begeistert hat. Schade, der Anfang war so gut…

Bewertung: 3.5 von 5.

Dave Eggers: Every. Köln: Kiepenheuer & Witsch, 2021

Christina Dalcher: Vox

Als die Neurowissenschaftlerin Dr. Jean McClellan die Zeichen der Zeit endlich ernst nimmt, ist es bereits zu spät. Die neue, zutiefst konservative und frauenfeindliche Regierung etabliert in einem totalitären Gewaltakt eine Maximalvariante der Frauen-zurück-an-den-Herd Bewegung. Alle Frauen des Landes werden entmachtet, sie dürfen nicht mehr arbeiten, lesen oder schreiben und keinerlei selbstständige Geschäfte mehr ausführen. Und nicht nur das. Um ihrem Protest die Stimme zu entziehen, dürfen sie fortan nur noch 100 Wörter am Tag sprechen. Kontrolliert von einem Armband, das jegliche Überschreitung mit Elektroschocks bestraft.
Doch plötzlich wendet sich für Jean das Blatt, als der Präsident des Landes dringend ihre Hilfe als Spitzenwissenschaftlerin benötigt…
Trotzdem hab ich das Buch sehr gerne gelesen, daher klare Leseempfehlung.

Bewertung: 4 von 5.

Christina Dalcher: Vox. Frankfurt am Main: Fischer Verlag 2018