Christian Kracht: Faserland

Es geht in diesem Roman um eine Welt, die den meisten von uns wohl verschlossen bleiben wird – die der Reichen und manchmal auch Schönen. Hier wird von Sylt nach Zürich gejetsetet, locker mit dem Geld gewedelt und überwiegend gesoffen, wie unser ziemlich unsympathischer Erzähler. Oder anderweitige Drogen konsumiert, wie ein großer Teil seiner Umgebung.
Wenn man sich nun fragt, warum eine eher inhaltsarme Story zum modernen Klassiker avanciert ist, wie zumindest der Klappentext feststellt, dann wohl deshalb, weil dieser von vielen so angestrebte Lifestyle hier in seine Einzelteile zerlegt wird.
Kracht hat in diesem Roman die Oberflächlichkeit und innere Leere dieses speziellen Mikrokosmos sehr anschaulich auf den Punkt gebracht. Und dass ihre Protagonisten alles mögliche sind, nur nicht glücklich.

Ich muss sagen, ich war bei diesem Buch hin und hergerissen. Auf der einen Seite mochte ich diesen Ich-Erzähler in der Figur des Millionärssöhnchens, der kein Blatt vor den Mund nimmt und einfach macht, wonach ihm der Sinn steht. Unangepasste Typen mag ich, eigentlich. Nur leider ist dieser etwas aus der Art Geschlagene ein asozialer Unsympath allererster Güte, den man auf keinen Fall kennenlernen möchte und man hofft, dass möglichst wenig Kracht in dieser Figur steckt.

Aber wenn es darum geht, diese Welt zu entzaubern und ihre eigentliche Armseligkeit zu entlarven, dann ist das Projekt absolut gelungen.
Innerliches Kopfschütteln mit Programm, Mission geglückt.

Bewertung: 3.5 von 5.

Christian Kracht: Faserland. Frankfurt am Main: Fischer Verlag, 2015 (Original 1995)