Püstow & Schachner: Jack the Ripper

Nun hab ich ja zu Beginn des Jahres ‚The Five‘ gelesen und das fand ich so interessant, dass ich gleich noch einen Nachschlag brauchte – diesmal aus der anderen Perspektive.
Wer also bei ‚The Five‘ Mord und Totschlag und Informationen rund um den Serienmörder vermisst hat, voilà!

Dieses Buch gilt als Standardwerk der Ripperforschung, in dem die wesentlichen Forschungsergebnisse zum Thema zusammengetragen wurden.
Im Gegensatz zu anderen oft recht einseitigen Büchern zum Ripper, die von sich behaupten, das Rätsels Lösung gefunden zu haben, ist dieses Buch angenehm neutral und sachlich gehalten und gibt einen sehr detaillierten Rundumblick.
Im zweiten Teil gibt es eine Zusammenfassung der Verdächtigen, so dass man selbst ein bisschen Sherlock Holmes spielen kann.

Ich fand das Buch ausgesprochen interessant und fühle mich jetzt in Sachen Ripper bestens informiert – soweit man das in diesem Fall sein kann. Denn fertige Lösungen gibt es hier nicht.

Hendrik Püstow / Thomas Schachner: Jack the Ripper. Anatomie einer Legende. Leipzig: Militzke Verlag, 2017 (Original 2006)

Hallie Rubenhold: The Five

Bei dem Untertitel könnte man auf den ersten Blick denken, es ginge hier um die Mordserie, der die fünf Frauen ihre vergleichsweise bescheidene Bekanntheit zu verdanken haben. Und tragischerweisen wären sie ohne dieses schreckliche Ende wohl tatsächlich vollkommen in Vergessenheit geraten.

Dass dies kein vollkommenes Vergessen ist, dafür sorgt dieses Buch. Und nicht nur das. Es richtet den Blick auf die Tatsache, dass sie noch etwas mehr waren als nur die Mordopfer eines grausamen Serienkillers. In der damaligen Presse und späteren Literatur als Prostituierte gekennzeichnet und als Nebenfiguren eines aufregenden Spektakels betrachtet, gilt hier der Blick den Frauen, die sie einst waren und ihrer Lebensumstände.

Und das ist so erstaunlich wie erschütternd. Beispielsweise gilt nur bei zwei der fünf Frauen als gesichert, dass sie zumindest gelegentlich der Prostitution nachgingen. Bei allen anderen ist das reine Mutmaßung, die allerdings die ärmeren unverheirateten Frauen schnell erteilte, sobald sie in Gesellschaft eines Mannes unterwegs waren. Trotzdem ist Jack the Ripper als Prostituiertenmörder in die Geschichte eingegangen.
Gesichert ist aber, dass sie alle in bitterster Armut gelebt haben und ihre letzten Jahre von Entbehrungen, Krankheit, Alkohol und Gewalt gezeichnet waren.

Wer mal Charles Dickens gelesen hat, der kann sich ungefähr vorstellen, wovon hier die Rede ist. London in der zweiten Hälfte des 19. Jh., als Industrialisierung und die gleichzeitige Verelendung der Bevölkerung auf einen Höhepunkt zusteuert. Während England zur führenden Industrienation aufsteigt, lebt ein Großteil der arbeitenden Bevölkerung unter so katastrophalen Verhältnissen, wie man es sich heute kaum vorstellen kann. Und ganz unten in der Hierarchie des Elends stehen die Frauen. Fünf von ihnen lernen wir in diesem Buch kennen.

Große Leseempfehlung !

Bewertung: 4.5 von 5.

Hallie Rubenhold: The Five. Das Leben der Frauen, die von Jack the Ripper ermordet wurden. München: Nagel & Kimche, 2020