Jo Nesbo: Macbeth

Im Bandenkrieg um die Vormachtstellung im Drogengeschäft erweist sich Inspector Macbeth als klug und schlagkräftig und kommt dadurch schnell zu Ruhm und Anerkennung. Doch das ist ihm bald nicht genug. Angestachelt von seiner Geliebten Lady, einer ehemaligen Prostituieren, strebt er nach mehr. Nach mehr Macht und Einfluss. Und ist bereit, dafür über Leichen zu gehen.

Normalerweise mag ich Thriller über Bandenkriege im Drogenmilieu nicht so gerne, aber zu diesem Thema passt es natürlich perfekt und ich war von dieser Neubearbeitung des alten Stoffes auf’s Angenehmste überrascht. Die bekannten Figuren und Szenen im neuen Gewand wiederzuentdecken hat einen besonderen Reiz, vor allem, weil sich der Autor überwiegend sehr nah am Original langbewegt, zum Teil sogar kurze Textpassagen übernimmt, das Ganze aber in einen zeitgemäßen Rahmen stellt. Das Hauptmotiv der immer stärker anwachsenden Machtgier ist in diesem Kontext sehr passend und überzeugend rausgearbeitet worden. Projekt Macbeth 2018 geglückt, würde ich sagen.
Auch wenn ich in diesem Leben wohl kein Fan von Actionthrillern dieser Art mehr werde, hat mir dieser Shakespeare wirklich Spaß gemacht.

Bewertung: 3.5 von 5.

Jo Nesbo: Macbeth – Blut wird mit Blut bezahlt. München: Penguin Verlag, 2018

Salih Jamal: Orpheus

Orpheus und Eurydike 2018. Der Sänger Orpheus hat in Nienke, die als Anwältin im.Unternehmen seines Großvaters arbeitet, die Liebe seines Lebens gefunden. Als Nienke eines Tages Beweise dafür findet, dass sein Großvater an einem ungeklärten Mordfall an einer jungen Frau verwickelt ist, gerät ein Stein ins Rollen. Nienke verschwindet spurlos und Orpheus begibt sich auf eine verzweifelte Suche, nach seiner vermissten Freundin und der Wahrheit…

Auf diesen Autor bin ich durch Instagram aufmerksam geworden und schon vor diesen Buch war mir aufgefallen, dass er ganz wunderbar mit Worten umzugehen versteht. So auch in dieser Geschichte, in der sich eine Fülle sprachlicher Schmuckstücke verstecken. Allerdings war es mir gerade zu Beginn stellenweise einen Tick too much. Große Worte sollte man sparsam dosieren, sonst erschlägt’s einen.
Grundsätzlich finde ich die Idee, einen alten Stoff auf die Gegenwart zu übertragen, sehr reizvoll, aber auch eine Herausforderung, denn aus dem Klassiker soll ja keine Karikatur werden. Das Experiment ist in diesem Roman geglückt, ich finde es eine überwiegend gelungene Adaption, was bei einem antiken Stoff wahrlich nicht einfach ist. Stellenweise fand ich es aber auch schwierig, denn die Götter waren in ihren Handlungen ja nicht gerade zimperlich. Im echten Leben wirken einige Aktionen schon etwas over the top, vor allem in der Figur des Zeus.
Aber ich hab’s gerne gelesen und bin gespannt, was man noch so von diesem Autor hört.

Bewertung: 3 von 5.

Salih Jamal: Orpheus. Norderstedt: Books on Demand, 2018