Frank Goldammer: Tausend Teufel

Mittlerweile schreibt man im zweiten Band dieser Krimiserie das Jahr 1947.

Deutschland wurde inzwischen unter den Allierten aufgeteilt und das immernoch zerstörte Dresden gehört zur sowjetischen Besatzungszone. Die Aufbauarbeiten gestalten sich schleppend, denn überall herrscht noch großer Mangel. Das Ausmaß der Verwüstung ist groß und viele Männer wurden im Krieg verwundet oder gelten als vermisst, es ist die Zeit der Trümmerfrauen.

Auch das Arrangement mit den neuen Machthabern läuft nicht reibungslos. Während viele ihr Fähnchen nach dem Wind hängen und vorgeblich schon immer gegen das Naziregime eingestellt waren, formiert sich bei anderen der innere Widerstand, der sich an einigen Stellen Bahn bricht. Auf der Seite der sowjetischen Besatzer ist der Prozess der Entnazifizierung und der Propaganda in eigener Sache in vollem Gange.

Auf diesem konfliktträchtigen Untergrund werden zwei Rotarmisten ermordert aufgefunden. Heller nimmt gemeinsam mit seinem sowjetischen Vorgesetzten die Ermittlungen auf. Diese führt auf eine Spur, die die neuen Machthaber in nicht so gutem Licht erscheinen lässt…

Wie in Band 1 besticht auch hier wieder die historische Kulisse, auch wenn sie nicht ganz so spektakulär ist wie die Dresdner Bombennacht 1945. Die unterschiedlichen Problemlagen der ersten Nachkriegsjahre in der sowjetischen Besatzungszone sind gut eingefangen. Besonders interessant war für mich aber das Thema, dass sich auch im Laufe des Romans in den Vordergrund schiebt – das Problem der Waisenkinder, die ihre Eltern in den Kriegswirren verloren haben. Ein wirklich sehr tragische Begleiterscheinung der Krieges, die es Wert ist zum Thema gemacht zu werden, auch wenn es „nur“ im Rahmen eines Krimis ist.

Zum Ende hin war es mir wieder ein bisschen zu viel Overacting, aber insgesamt ein lesenswerter Krimi.

Bewertung: 3.5 von 5.

Frank Goldammer: Tausend Teufel. München: dtv, 2017

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