Takis Würger: Stella

Ein junger Schweizer kommt 1942 nach Berlin. Er will Gerüchten nachgehen über Juden, die in Möbelwägen abtransportiert werden. In Berlin angekommen taucht er ein ins Nachtleben und lernt die geheimnisvolle Stella kennen. Er ahnt nicht, welches Doppelleben sie führt.

Vieles hab ich bei diesem Buch erwartet, aber nicht das. Dazu muss ich sagen, dass ich das Buch weder als Rezensionsexemplar bekommen habe noch bestochen worden bin, aber ich finde dieses Buch ganz großartig. Ich finde es sprachlich und schriftstellerisch mit den Einschüben der Zeitgeschehnisse und Gerichtsakten im Kontrast zum glamourösen und unbeschwerten Privatleben des Paares ausgesprochen gelungen. Auch die Figur des Friedrich, der die Kritikerschelte als positionsloser Naivling abbekommen hat, finde ich gut gewählt. Indem er sich nicht eindeutig positioniert, gibt er eine Vorlage für die Frage: Was hätte ich in der Situation gemacht? Und zwar nicht rund 80 Jahre später von der bequemen Couch aus, sondern im Krieg, als Jude, unter permanenter Lebensgefahr. Die Antwort ist nicht schwarz oder weiß, sondern grau, so wie die Figur Friedrichs auch.
Und genau das ist es doch, was gute Literatur ausmacht. Dass sie zum Nachdenken und Diskutieren anregt über Dinge, die nicht vergessen werden sollten.
Irgendwo hab ich gelesen, Würger hätte eine emotionslose Schreibe. Wo auch immer das gewesen sein mag, auf dieses Buch trifft es in jedem Fall nicht zu. Vielmehr ist es von der ersten bis zur letzten Seite durchzogen von wunderbar starken, emotionalen Bildern, die mich sehr berührt haben.

Bewertung: 4.5 von 5.

Takis Würger: Stella. München: Carl Hanser Verlag, 2019

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